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Die Brücke aus Worten: Warum es Kahva & Ćilim gibt
„Man sagt, Bäume brauchen tiefe Wurzeln, um Stürme zu überstehen. Aber was macht man, wenn die eigenen Wurzeln über zwei Länder verstreut sind?“
Ich bin in Deutschland geboren. Meine Welt war von Anfang an zweigeteilt. Auf der einen Seite das Leben hier: der strukturierte Alltag, die Sprache, das System. Auf der anderen Seite die Heimat meiner Eltern, die in unserer Wohnung immer wie ein leises, unsichtbares Echo mitschwang.
Meine Eltern kamen als Gastarbeiter aus dem damaligen Jugoslawien. Ihr Plan war der klassische Traum einer ganzen Generation: Hart arbeiten, Geld verdienen, etwas aufbauen und irgendwann zurückkehren. Doch das Leben hielt sich nicht an diesen Plan. Der Krieg brach aus, riss das Land auseinander und löschte jede Perspektive aus – für eine Rückkehr war es plötzlich zu spät, die alte Heimat gab es nicht mehr. Aus einem „Wir bleiben noch ein bisschen“ wurde ein ganzes Leben in Deutschland.
Während ich in der deutschen Schule heranwuchs und alles über die europäische Geschichte lernte, blieb die andere Hälfte meiner Identität ein unbeschriebenes Blatt. Die Lehrpläne erklärten mir die Welt, aber sie erklärten mir nicht mich selbst. Niemand unterrichtete mich über das mittelalterliche Bosnien, über die geheimnisvollen Stećci, die Legenden der Waldfeen oder darüber, dass die Muster auf einem Ćilim eine eigene Sprache sprechen.
Mir fehlte der Bezug zu Bosnien fast komplett. Es war ein Vakuum. Ich wusste, da ist eine reiche, tiefe Kultur, aus der ich stamme, aber ich hatte keinen Schlüssel zu ihr.
Diesen Schlüssel musste ich mir mühsam selbst feilen. Ich habe mir meine eigenen Wurzeln hart erarbeitet – Stück für Stück, Geschichte für Geschichte, Sage für Sage. Es war eine lange Suche nach den Puzzleteilen meiner eigenen Herkunft. Eine Reise, die mich unendlich bereichert hat, die mir aber auch zeigte, wie einsam und anstrengend es ist, wenn man sich die eigene Kultur wie eine Fremdsprache selbst beibringen muss.
Genau deshalb existiert Kahva & Ćilim.
Ich mache das hier, um es anderen leichter zu machen. Dieser Blog ist für die Kinder der Diaspora, die spüren, dass da noch ein anderer Teil in ihnen schlägt, den sie aber nicht greifen können. Er ist für die Erwachsenen, deren Erinnerungen verblasst sind, oder für diejenigen, die – wie ich damals – nie die Chance hatten, überhaupt einen echten Bezug aufzubauen.
Ihr sollt nicht mehr jahrelang im Dunkeln suchen müssen. Ich sammle und schreibe hier auf, was ich selbst Stück für Stück finde: die Geschichten, die Mythen, die Handwerkskunst und die Geschichte Bosniens. Diese Reise fängt gerade erst an – und ich nehme euch von Anfang an mit.
Kahva & Ćilim ist euer analoger Anker. Setzt euch, nehmt euch einen Moment Zeit und lernt eure eigene Geschichte kennen. Schön, dass ihr hier seid.
In den nächsten Wochen nehme ich euch mit auf die ersten Stationen dieser Reise – zu den Stećci, zu den Feen der Berge und zu den Mustern, die ein Ćilim erzählt. Bleibt dran.